Betriebliches Gesundheits­management: So fördern Unternehmen das Wohlbefinden im Team

BGM ist kein Einzelprojekt, sondern ein Managementsystem. Doch wie sieht die Umsetzung in der Praxis aus? Wir fassen die wichtigsten Aussagen aus dem Webinar mit Expertin Snezana Milojevic der Swiss Life zusammen: von gesetzlichen Grundlagen bis zu den grössten Hebeln in Führung und Teamkultur, die Ihre Organisation stabilisieren.

Verfasst von Loris Gregorio

BGM verbindet Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Arbeit. (Bild: Pexels)

Das Wohlbefinden der Mitarbeitenden liegt wohl allen Unternehmen am Herzen. Betriebliches Gesundheitsmanagement, kurz BGM, sorgt dafür, dass die Belegschaft dieses Wohlbefinden erreicht. Im Webinar von Gryps zeigte Snezana Milojevic Grundlagen des BGM, Zusammenhänge und Einflussfaktoren von Arbeit und Wohlbefinden sowie Tools, um BGM im Betrieb zu etablieren.

Milojevic ist Psychologin und Fachverantwortliche für das betriebliche Gesundheitsmanagement im Bereich der Unternehmenskunden bei Swiss Life. Zusammen mit ihrem Team begleitet sie Organisationen, um BGM sinnvoll aufzubauen und weiterzuentwickeln.

«BGM sollte geplant und wiederholt stattfinden»

Doch was bedeutet BGM genau? Die Definition: «BGM ist das systematische Optimieren von gesundheitsrelevanten Faktoren im Betrieb.» Die Expertin hebt hier das Schlüsselwort «systematisch» hervor und ergänzt: «Das heisst, dass es nicht nur spontan gemacht werden soll, also wenn es brennt. Es sollte geplant und wiederholt stattfinden.» Unternehmen sollten das BGM demnach regelmässig analysieren, umsetzen, prüfen und verbessern.

Dass Gesundheitsmanagement nicht nur ein Angebot von Beratern ist, zeigt ein Blick ins Arbeitsgesetz. Artikel 6 besagt unter anderem, dass Arbeitgebende die notwendigen Massnahmen treffen sollen, um die Gesundheit der Mitarbeitenden zu schützen.

Zusammenhang zwischen psychischen und physischen Beschwerden

Eine Analyse von Krankheitsabsenzen bestätigt nochmals, dass Bemühungen rund um BGM wichtig sind: Jeder dritte Arbeitsausfall steht in Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen. Zudem dauert eine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit im Schnitt 218 Tage, also über ein halbes Jahr.

Die Expertin hebt den Zusammenhang von psychischen und physischen Beschwerden hervor. Denn ein relevanter Teil der Ausfälle sei beeinflussbar, weil Konflikte, Arbeitsorganisation und Führung im Unternehmen gestaltbar sind. Milojevic: «Die Trennung zwischen körperlichen und psychischen Beschwerden ist in der Realität häufig nicht klar. Selbst bei körperbedingten Arbeitsunfähigkeiten sind die psychischen Störungen die zweithäufigste Diagnosegruppe. Es handelt sich bei den Krankheiten häufig um Mischbilder. Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Stress und Erschöpfung hängen zusammen.»

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Ziele von BGM

BGM soll im Betrieb Arbeitsfähigkeit und gute Leistung langfristig sichern. Grundlage dafür sind gute Arbeitsbedingungen und eine starke Zusammenarbeit. Konkret nennt Milojevic vier Ziele:

  • Gesundheit schützen: Risiken im Arbeitsalltag senken (körperlich und psychisch).
  • Energie & Motivation stärken: Ressourcen wie Klarheit, Unterstützung und Einfluss erhöhen.
  • Zusammenarbeit verbessern: bessere Abstimmung, konstruktiver Umgang mit Problemen, unterstützende Führung.
  • Unternehmensstabilität erhöhen: weniger Ausfälle, bessere Bindung/Attraktivität, verlässliche Leistung.

Die Expertin betont dabei: Am wirksamsten ist BGM, wenn ein Unternehmen die Arbeitsorganisation und die Führung mitverändert. Bei BGM soll es sich also nicht nur um individuelle Tipps und Angebote für die Mitarbeitenden handeln.

Zum Schluss gibt Snezana Milojevic den Teilnehmenden drei Key Takeaways aus dem Webinar auf den Weg:

  • BGM ist ein Managementsystem und kein Einzelprojekt. Es verbindet Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Arbeit.
  • Die grössten Hebel liegen oft in Arbeitsorganisation, Führung und Teamregeln, also in den Rahmenbedingungen und nicht primär im einzelnen Verhalten.
  • Mit rahmenstiftenden Modellen kann man sehr schnell sortieren und erkennen, wo Autonomie, Kompetenz oder Zugehörigkeit fehlt.

Fragen aus dem Publikum – beantwortet von der Expertin

Gibt es spezifische Tipps für Selbstständige oder Freelancer?
«Bei Selbstständigen zählt eine gute Selbstführung. Da gibt es Tools, die man nutzen kann, wie das Belastungs-Ressourcen-Modell (siehe Aufzeichnung und Präsentation). Natürlich muss man ein paar Stunden aufwenden und sich Gedanken dazu machen. Dabei kann man fixe Fokuszeiten oder klare Grenzen setzen und realistisch planen. Die Selbstorganisation ist auf jeden Fall sehr relevant. In diesem Bereich sollte man sich weiterentwickeln oder auch weiterbilden.»

Welche Empfehlungen gibt es für kleine Betriebe?
«Hier braucht es kein riesiges System wie bei einem Grossunternehmen. Ein weiterer Vorteil: Die Massnahmen sind schneller umsetzbar. Ich würde einen Plan machen und festhalten, welche BGM-Leistungen für den Betrieb relevant sind oder welche schon umgesetzt sind. Viele Betriebe wissen gar nicht, dass sie schon BGM-Massnahmen anwenden.»

Bezieht sich BGM nur auf psychische Faktoren?
«Nein, BGM bezieht sich ganzheitlich auf alle Faktoren und alle Aspekte der Arbeit. Ich bin sehr auf die psychische Komponente eingegangen. Ein Grund dafür: In der Schweiz wird bereits sehr viel unternommen, um die physischen Belastungsfaktoren zu senken. Statistiken zeigen, dass Arbeitsunfälle seit Jahren sinken. Darum ist es sinnvoll, auf psychische Aspekte mehr Gewicht zu geben.»

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